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Wasserretention – Wie Wasser wirksam länger im System gehalten werden kann

  • Autorenbild: ALSE GmbH
    ALSE GmbH
  • 13. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Die Ressource Wasser gerät mit zunehmenden Extremwetterereignissen wie wochenlanger Dürre oder Starkregen-Events immer stärker in den Fokus, da dieses „zu wenig“ oder „zu viel“ zu massiven Problemen führt.

Ein den Klimaextremen angepasstes, integriertes Land- und Wassermanagement ist notwendig, um die Ressource Wasser nachhaltig und langfristig im System zu halten und verteilen. Wie kann das funktionieren? Wir zeigen einige der Möglichkeiten auf - einige der Maßnahmen planen und setzen wir auch selbst in unserer täglichen Praxis um.

 

Eine kurze Zusammenfassung findet ihr hier.

Foto: ALSE GmbH, 2025


Ursachen

Die Ursachen der Wasserknappheit liegen zu einem großen Teil in den zunehmenden Extremwetterereignissen als Teil der Klimaveränderungen, in der steigenden Versiegelung von Flächen und Drainage von Wasser sowie einem teils massiven Vegetationsverlust (z.B. durch Abholzung, Artensterben, usw.).

Folgeprobleme

All dies führt zu einer Reihe von Problemen, welche sich teils gegenseitig bedingen und verschärfen. Mit sinkendem Grundwasserspiegel z.B. hat auch die Vegetation noch mehr Schwierigkeiten, an Wasser zu kommen und verdorrt zusehends. Auch Oberflächengewässer trocknen zeitweilig aus. Dies wiederrum führt zu Ernteausfällen, Artensterben, Konflikten zwischen Schutz und Nutzung und einer Erosion des Bodens durch Windabtrag. Aber auch eine Erosion und Ernteausfälle durch Starkregen ist möglich – insgesamt kommt es zu einer Zunahme von Hitze- und Überflutungsschäden im Ökosystem, die letztlich für alle darin lebenden Organismen schädlich ist.

Lösungen

Retentionslandschaften bieten einen zentralen Lösungsweg. Sie regenerieren den natürlichen Wasserkreislauf, indem sie Niederschlagswasser (lat. retendere) genau dort speichern, wo es fällt. Es gibt eine Fülle an Methoden, um das Regenwasser auf dem Land zu halten, die in verschiedenen Kombinationen miteinander angewendet werden können.

 

Zu den zentralen Empfehlungen zählt, die Vielfalt im Landschaftsbild  („Landnutzungsmosaike“) zu erhöhen, weil mosaikartige Systeme als besonders robust gegenüber Wetterextremen gelten. Darunter fallen zum Beispiel die Mosaikartige Kombination unterschiedlicher Landnutzungsformen, das Anpassen von Fruchtfolgen an trockenere Bedingungen und in Mischkulturen, das Einführen von Agroforstsystemen und die Waldumwandlung.


Quelle: IGB (2025), S.6
Quelle: IGB (2025), S.6

Damit einher geht auch die Verbesserung der Bodenstruktur als entscheidender Faktor. Durch eine permanente Bodenbedeckung (Mulch, Zwischenfrüchte), schonende Bewirtschaftung und Vermeidung von Bodenverdichtung kann sich eine humusreiche Bodenstruktur entwickeln, die weniger erosionsanfällig und widerstandsfähiger ist.

 

Ein weiterer Ansatz zur Wasserspeicherung ist das Landnutzungskonzept „Slow, spread, sink“: Der Fluss des Wassers wird verlangsamt, über eine größere Fläche breit verteilt und versickert. Das Wasser soll sowohl unter der Oberfläche im Boden wie auch oberirdisch in Becken, Tanks, Teichen oder der Vegetation gespeichert werden.




Spezifische Maßnahmen

Ein Beispiel für ein solches Landnutzungskonzept ist z.B. ein Agroforstsystem mit Sickergräben nach dem Keyline-Design. Dabei werden unter speziellen Planungsgrundsätzen sowie mit Hilfe von moderner Vermessungstechnik, Fernerkundung (zum Beispiel Laserscanning mit Drohnen) und hydrologischen Berechnungen auf landwirtschaftlichen Flächen Versickerungs- und Bewässerungsgräben gezogen, verschiedene Arten der Tiefenlockerung durchgeführt, Speicherbecken angelegt und Agroforststreifen gepflanzt. Dadurch wird Oberflächenabfluss aufgefangen, bevor er sich konzentrieren und in Abflussrinnen Geschwindigkeit aufnehmen kann, d.h. nach einem Niederschlag steht das Wasser dort und versickert langsam. Dadurch werden die Acker- oder Grünlandstreifen besser mit Wasser versorgt und an den Retentionsstreifen können Gehölzkulturen das Wasser direkt für die Ausbildung von Früchten, die Verdunstungskühlung, das Wachstum wertvollen Holzes und damit für die Kohlenstoffbindung nutzen.

 Fotos: oekolandbau.de und wasser-retention.de


Auch eine Möglichkeit, Wasser länger im Boden zu halten, vor allem auf Flächen, die durch Drainagesysteme gut drainiert sind, sind Steuerbare Drainagen.

Hierbei werden die im Boden verlegten Drainagerohre nicht vollständig verschlossen. Stattdessen wird am Auslass des Drainagesystems ein Regelungsschacht eingebaut. In dem Schacht wird die Wasserstandshöhe im Boden gesteuert, ab welcher das Wasser über das Drainagesystem in den Vorfluter eingeleitet wird. Diese Art von Wasserrückhalt ist auf dem Acker und auf dem Grünland möglich.

 

Ein wichtiger Bestandteil und zugleich niedrigschwellige Lösung zur Wasserretention sind die Retentionsbecken. Sie dienen dazu, Niederschlagswasser temporär zu speichern und eine schnelle Abflussspitze in Gewässer oder Kanalisationen zu vermeiden. Dadurch wird Überschwemmungsrisiko reduziert, der Grundwasseranstieg gefördert und gleichzeitig eine natürliche Bodeninfiltration ermöglicht. Solche Becken lassen sich kostengünstig in Landschaftsplanungen integrieren, etwa als temporäre Feuchtbiotope oder in Kombination mit Grünflächen.

Auf landwirtschaftlichen Flächen können kleine Wasserrückhaltebereiche oder feuchte Senken entlang von Gräben und Gehölzstreifen, sowie natürliche Kleingewässer wie Tümpel, Teiche oder naturnaher Seen angelegt werden.


 Fotos: ALSE GmbH, 2025


Zur großflächigen Wasserspeicherung dient die Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten. Wiedervernässte Moore und naturnahe Feuchtgebiete speichern Wasser langfristig in der Landschaft, verbessern die Wasserqualität und wirken als CO₂-Senken. Auch die Wiederansiedlung des Bibers kann dazu beitragen, dass Wasser länger in der Landschaft verbleibt.

 

Diese Maßnahmen funktionieren größtenteils natürlich nur in ländlichen Kontexten, doch steigt die Zahl der versiegelten Fläche stetig. In urbanen Räumen stellen Gründächer eine effektive Maßnahme zur dezentralen Wasserretention dar, indem sie Niederschlagswasser aufnehmen und zeitverzögert abgeben. Sie reduzieren die Abflussspitzen in die Kanalisation erheblich, fördern die Bodeninfiltration und tragen zur lokalen Grundwassernachfüllung bei. Besonders Retentionsdächer – speziell konzipierte Systeme mit hoher Speicherkapazität durch Substrate und Drainageschichten – können bis zu 80% des Regenwassers zurückhalten und bei Bedarf auch als temporäre Speicher für Starkregen dienen. In städtischen Verdichtungsgebieten sind sie daher ideal, da sie multifunktional wirken: Klimaabdichtung, Biodiversität und Wassermanagement in einem.

Mehr zum Thema Gebäudebegrünung könnt ihr hier nachlesen.

 

Effekte

  • Speicherung von Niederschlagswasser über einen längeren Zeitraum

  • Kühlung von Boden und Umgebungsluft

  • CO2-Speicherung

  • Steigerung der Bodenfruchtbarkeit

  • Biodiversitätsförderung

  • signifikante Dämpfung von Hochwasserwellen

  • Filterung des Regenwassers, bevor es in das Grundwasser gelangt



Zusammenfassung

*ausschließlich in Hinblick auf die Ressource Wasser

 

Ursachen*: Klimaveränderungen, v.a. Extremwetterereignisse (Dürre und Starkregenereignisse); steigende Versiegelung; Vegetationsverlust

 

Folgeprobleme*: sinkende Grundwasserspiegel, Austrocknen von Oberflächengewässern, Überflutungen, Bodenerosion, Veränderungen des Mikroklimas, Vegetationssterben, Artensterben, Ernteausfälle

 

Lösungsansätze (am besten in Kombination miteinander): 

  • veränderte Anbausysteme (mehr Vielfalt in der Landschaft durch Landnutzungsmosaike, z.B. durch Agroforstsysteme, Waldumwandlung)

  • Anpassung der Anbaumethoden (Änderungen in Fruchtfolge und Pflanzenwahl, schonende Bodenbearbeitung zum Humusaufbau)

  • Wasserretention (z.B. mit Hilfe von Keylinedesign, Retentionsbecken, Wiedervernässung, steuerbaren Drainagen und Gründächern)

 

 

Quellen Literatur

  • Franke, S.: Wasser ernten und nutzen: ÖKOLOGIE & LANDBAU 03 | 2025

  • Gerhardt, P.; Franke, S.: Mit Schlüssellinien Wasser auf der Fläche halten. ÖKOLOGIE & LANDBAU 03 | 2022 

  • IGB (2025): Dürre und Starkregen – neue Wasserrealitäten in Brandenburg. IGB Dossier, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin

  • Meyenberg, I., Stein, U., Scheid, A., Vidaurre, R., Dengler, F., Schneider, C., Krähling, J., Beisecker, R. (2024): Handbuch landwirtschaftlicher Maßnahmen zur Erhöhung des Wasserrückhalts, der Wasserqualität und der Biodiversität. Ecologic Institut, Berlin


Anmerkung der Redaktion: Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 
 
 

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