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Dach- und Fassadenbegrünungen - ein Überblick



Zunehmende Versieglung, die steigenden Temperaturen und häufigere Starkregen-ereignisse führen zu negativen Auswirkungen für Stadt, Mensch und Natur. Bei der Neuplanung einer Fläche oder Überplanung eines bestehenden Gebiets rückt daher der Umgang mit Niederschlagswasser verstärkt in den Fokus: Weg vom wegdrainieren und hin zu einem nachhaltigen und naturverträglichen Regenwassermanagement. Eine Kombination aus Rückhalt, Entsieglung, Abkopplung, Versickerung und Verdunstung kann den Problemen mit dem Regenwasser entgegenwirken, das sogenannte Konzept der Schwammstadt (MEKUN 2023). Als Teil hiervon finden Gründächer als leicht umsetzbaren Lösungsansatz immer mehr Beachtung. Sie fördern nicht nur die Verdunstung, sondern bieten darüber hinaus auch noch Hitzeschutz im Sommer, Dämmung im Winter und Lebensraum für Insekten.

Aus aktuellem Anlass wollen wir im Folgenden einen kurzen Überblick über die verschiedenen Arten von Dachbegrünungen geben, auf Vor- und Nachteile eingehen, Pflanzlisten vorstellen und erläutern, was es sonst noch zu beachten gibt (Rechtliches, Planerisches, Pflege & Wartung).



Überblick


Extensive Dachbegrünung: Naturnah angelegte Begrünungen, die sich weitgehend selbst erhalten und weiterentwickeln, werden als Extensivbegrünung bezeichnet. Hierbei handelt es sich um niedrig wachsende Pflanzen auf speziellem Substrat. Die verwendeten Pflanzenarten sind widerstandsfähig, kommen gut mit Hitze, Trockenheit und auch Kälte zurecht. Eine Extensivbegrünung ist i.d.R. pflegeleicht und eignet sich auch zur nachträglichen Installation.

Sie lassen sich auf flachen und geneigten Dächern bis 45° umsetzen, wobei hier – abhängig von der Dachneigung – Rutsch- und Schubsicherungen notwendig sein können. Die Bauhöhe einer extensiven Begrünung beträgt zwischen ca. 6 und 15 cm, das Flächengewicht zwischen ca. 0,5  und 1,7 kN/m². Der Hauptanteil des Gesamtgewichts liegt im Substrat plus dem darin gespeicherten Wasservorrat.

 

Biodiversitätsdach: Mit gezielten Maßnahmen lassen sich extensive Dachbegrünungen zu einem sogenannten Biotop- oder Biodiversitätsdach aufwerten. Solche Maßnahmen umfassen beispielswiese die Anlage einer kleinen Sandfläche (Sandlinse), Aufstellen von Tränken und Vogelbädern und das Platzieren von Totholz.

 

Intensive Dachbegrünung/ Dachgarten:  Intensivbegrünungen sind mit ebenerdigen Gärten und genutzten Grünflächen vergleichbar. Die Begrünung erfolgt mit Stauden und Sträuchern, Rasenflächen aber auch Bäumen. Die Begrünung wird oftmals nur auf flachen und leicht geneigten Dächern (bis 5° Dachneigung) umgesetzt. Die Höhe des Gesamtaufbaus beträgt etwa 25 bis 100 cm, das Gewicht etwa 300 bis 1.200 kg/m².  Die Grünflächen müssen intensiv gepflegt werden, wozu insbesondere eine regelmäßige Versorgung mit Wasser und Nährstoffen gehört.

 

Solargründach: Dachbegrünung und solare Energiegewinnung müssen nicht konkurrieren, sondern können auch vorteilhaft miteinander verbunden werden. Begrünte Dächer bewirken eine reduzierte Umgebungstemperatur, was zu einer Erhöhung des Wirkungsgrades der Solarzellen führt. Solargründächer vereinen damit Klimaschutz und Klimawandelanpassung in einem Dach und werden bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet.

 

Retentionsdach: Bei einem Retentionsdach liegt ein besonderes Augenmerkt auf zusätzlichen Drän- und Wasserspeicherelementen, welche die Rückhaltung (Retention) einer Wassermenge sicherstellen (je nach Ausführung), um diese mittel- oder langfristig zurückzuhalten. Vor allem bei Starkregen sollen damit Überflutungen und volllaufende Keller verhindert werden. Retetionselemente können sowohl auf extensiven, als auch intensiven Dächern installiert werden, ist je nach Ausführung jedoch nur bei gefällelosen oder gefällearmen Dächern möglich. Je nach Dachbegrünungssystem variiert das Wasserspeichervermögen von ca. 20 bis 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) für extensiv begrünte Dächer und 40 bis 320 l/m² für intensiv begrünte Dächer.

 

Fassadenbegrünung: Bei der Fassadenbegrünung wird unterschieden zwischen wandgebundener und bodengebundener Begrünung. Wandgebundene Begrünungen sind bspw. sogenannte living walls oder vertikale Gärten, während bodengebundene Fassadenbegrünungen die traditionelle Form der Begrünung mit neben dem Haus wachsenden Kletterpflanzen darstellt. Fassadenbegrünungen bieten zusätzliche Dämmung bei starker Hitzeeinstrahlung, Schutz vor Wettereinflüssen und UV-Strahlung sowie Graffiti. Außerdem schlucken sie Schall und bieten damit erhöhten Lärmschutz, sie binden Schadstoffe in der Luft (Feinstaub, Stickoxide) und es entsteht zusätzlicher Lebensraum für Tiere. Von ästhetischen Aspekten mal ganz abgesehen.

 

 

Pflanzenbeispiele


Extensivdächer

Viele Pflanzenarten haben sich bei Extensivbegrünungen bewährt. Eingesetzt werden niedrigwüchsige Pflanzen wie Moose, Sukkulenten, Kräuter, Gräser, Stauden und Kleingehölze, die sich weitgehend selbst erhalten und auch ohne bzw. mit geringer Pflege weiterentwickeln.

Beispielhafte Pflanzenliste für Substratdicken von 8 bis 15 cm (Auswahl):

  • Sedum: Wolfsmilch, Rotmoos-Sedum, Schleier-Sedum, Schneeteppich-Sedum, Weihenstephaner Gold, Immergrünchen, Moos-Sedum, Tripmadam, Mulder Mauerpfeffer, Rotblättriges Teppich-Sedum, Große Fetthenne, Purpur-Fetthenne

  • Kräuter: Heide-Nelke, Kleines Habichtskraut, Felsennelke, Großblütige Brunelle, Feld-Thymian, Sand-Thymian, Echter Dost/ Oregano, Winter-Bohnenkraut, Schnittlauch

  • Gräser: Blaugrüne Segge, Erd-Segge, Amthystschwingel, Schafschwingel, Flaches Rispengras

 

Intensivdächer

Beispielhafte Pflanzenliste für Substratdicken von 25 – 40 cm (Auswahl):

  • Stauden: Goldlauch, Ochsenauge, Johanniskraut, Milder Mauerpfeffer Kaukasischer Lauch, Hauhechel, Wilder Majoran, Berg-Thymian Kugellauch, Blut-Storchschnabel, Hohes Herbst-Sedum, Teppich-Sedum Astlose Graslilie, Wilde Möhre, Sand-Nelke, Labkraut  Knäuel-Glockenblume, Scarbiosen-Flockenblume, Wegwarte, Ysop

  • Gräser: Zittergras, Dach-Trespe, Amethyst-Schwingel, Perlgras, Federgras

  • Gehölze: Felsenbirne, Wacholder, Kriechende Sandkirsche, Dünenrose, Zwerg-Weide

 

Ausführliche Pflanzlisten findet sich unter: https://www.gebaeudegruen.info/fileadmin/website/gruen/Dachbegruenung/Basiswissen/pflanzlisten_dachbegruenung.pdf Zuletzt aufgerufen am 03.04.2024.

 

Fassadenbegrünung


Rechtliches


Das Innenministerium (MILI) und Umweltministerium (MELUND) haben gemeinsam die "Wasserrechtlichen Anforderungen zum Umgang mit Regenwasser - Teil 1: Mengenbewirtschaftung (A-RW 1)" eingeführt (2019, 2023). Diese erfordern insbesondere bei der Entwässerungsplanung von Neubaugebieten künftig eine naturverträgliche Niederschlagswasserbeseitigung, deren vorrangiges Ziel die Reduzierung der abzuleitenden Niederschlagswassermengen ist. Die Gemeinden entscheiden eigenverantwortlich über die Art der Entwässerung, Voraussetzung ist aber, dass die

Entwässerung rechtlich und technisch zulässig ist.

Die Unteren Wasserbehörden können im Bauleitplanverfahren beratend wirken. In neu ausgewiesenen Baugebieten ist eine Dachbegrünung aufgrund des A-RW 1 in den B-Plänen vermehrt sogar vorgeschrieben.

Bei Bestandsgebäuden ist i.d.R. keine Baugenehmigung notwendig, sofern das Dach nicht gleichzeitig als Dach-terrasse genutzt werden soll. Für Garagen und Carport-Dächer ist keine Baugenehmigung notwendig. Und auch Gartenhäuser, Lauben, Grillhütten oder so außer-gewöhnliche Bauwerke wie Artenschutz- und Fledermaustürme können ohne Probleme begrünt werden.



Planerisches 


  • Kosten: Es kommt drauf an… Baut man selber, beauftragt man eine Firma, welche Materialien und Pflanzen werden ausgewählt, usw.. Je nach dem belaufen sich die Kosten ca. auf 30 bis 60€/m²

  • Zuschüsse: Gibt ca. in Höhe von 10 bis 60€/m², je nach Begrünung (z.B. durch die Stadt Kiel für 50 % der förderfähigen Kosten als einmaliger Zuschuss: https://kiel.de/de/umwelt_verkehr/umwelt_naturschutz/foerderprogramm_dachbegruenung.php)

  • Dachneigung: zwischen 2 und 10 % sind keine zusätzlichen Maßnahmen nötig, um einen Substratabrutsch zu verhindern

  • Prüfung auf Dichtheit: Erst das Dach auf Dichtigkeit prüfen, dann das Gründach installieren

  • Aufgrund des erhöhten Gewichtes muss die Tragfähigkeit der Konstruktion beachtet werden

  • Wurzelschutz: Wurzelfeste Abdichtung oder Wurzelschutzfolie (Liste der Materialien, die den Anforderungen genügen: vgl. BuGG 2019)

  • Entwässerung: Ablauf oder Dachrinne einplanen, leichter Zugang für Reinigung

  • Anwuchspflege: An besten im Herbst oder Frühjahr anlegen, um eine durchgehende Befeuchtung sicherzustellen

 


Pflege & Wartung


Der Pflanzenbestand ändert sich über die Jahre im Rahmen der natürlichen Sukzession, je nach den Standortfaktoren (bauliche Voraussetzungen, Schichtstärke, verwendetes Substrat, Beschattung, Ausrichtung des Daches, Wasserverfügung…). Eine ungewollte Entwicklung kann gelenkt werden durch Rückschnitt, Entfernen unerwünschten Aufwuchses, Entfernen von Schnittgut und Laub, durch Nachsaaten, Düngen, Auffüllen des Substrates und Reinigen der Entwässerungssysteme. Ein bis zwei jährliche Kontroll-, Pflege- und Wartungsgänge sind i.d.R. ausreichend.

 


Auf einen Blick: Vorteile & Nachteile von Dachbegrünungen


Vorteile

-        Fördert Regenwasserverdunstung, Wasserrückhaltung

-        Entlasten die Kanalisation, v.a. bei Starkregenereignissen

-        Hitzeschutz im Sommer und Dämmung im Winter > verbessert das Mikroklima

-        Schutz vor extremen Witterungseinflüssen

-        Längere Nutzungsdauer der Dachabdichtung

-        Können Feinstaub und Stickoxide binden > Verbesserung Luftqualität

-        Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität

-        Zusätzliche Gartenfläche (ggf. sogar zur Erholung und Anbau von Nutzpflanzen)


Nachteile

-        u.U. zusätzlicher Aufwand in Form von Bauantrag und Statik

-        größere Lasten/ Belastung der Tragkonstruktion

-        erhöhtes Risiko von Feuchtigkeitsschäden

-        höhere Kosten in Herstellung und Reparatur

-        Pflegeaufwand



Foto: pixabay


Quellen



Fotos: ALSE GmbH, sonst anders gekennzeichnet

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