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Mehr Biodiversität: Rellingen startet als erste Modell-Gemeinde

  • Autorenbild: ALSE GmbH
    ALSE GmbH
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Wie kann eine Gemeinde die biologische Vielfalt im Alltag stärken? Und wie lassen sich Pflege, Unterhaltung und Naturschutz sinnvoll miteinander verbinden? Dieser Frage sind wir seit dem vergangenen Jahr auf den Grund gegangen.

Als erste Modellgemeinde für Biodiversität in Schleswig-Holstein hat unser Büro gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) für die Gemeinde Rellingen ein umfassendes Biodiversitäts-Umsetzungshandbuch entwickelt. Im Mittelpunkt stehen die öffentlichen Flächen der Gemeinde – von Grünanlagen und Verkehrsflächen bis hin zu Regenrückhaltebecken oder Freizeitflächen. Ziel ist es, vorhandene Lebensräume gezielt aufzuwerten und durch eine naturnahe Pflege dauerhaft zu erhalten.


Ein Besuch mit Signalwirkung

Anlässlich eines Besuchs am 07.08.2026 informierte sich Staatssekretärin Katja Günther über das vom Land Schleswig-Holstein geförderte Projekt und die bisherigen Ergebnisse.

Staatssekretärin Katja Günther betonte bei ihrem Besuch die besondere Bedeutung kommunaler Flächen für die biologische Vielfalt: "Sie kennen Ihre Flächen und die Gegebenheiten vor Ort am besten und können deshalb richtig was bewegen. Rellingen zeigt, wie es geht. Die biologische Vielfalt ist Basis unserer Lebensgrundlagen. Jeder Quadratmeter, der als Lebensraum attraktiver und artgerechter ist, stärkt unsere Natur."


Übergabe des fertigen Handbuchs an die Gemeinde und das Land SH, v.l.: Lena Wegner (Planungsbüro ALSE GmbH), Katja Günther (Staatssekretärin), Bürgermeister Marc Trampe und Tom Rasmussen (Bauamtsleiter) (Foto: ALSE GmbH)


Jede Fläche hat ihr eigenes Potenzial

Die Grundlage für das Handbuch bildet eine Bestandsaufnahme. Im vergangenen Jahr haben wir die kommunalen Flächen Rellingens untersucht, Pflanzen- und Tierarten erfasst sowie bestehende Strukturen aufgenommen. Anschließend wurden für jede Fläche individuelle Empfehlungen in Abstimmung mit dem DVL und der Gemeinde entwickelt.


Die empfohlenen Maßnahmen reichen von der Pflanzung heimischer Stauden über die Anlage geeigneter Rückzugsräume wie Altgrasstreifen bis hin zu angepassten Mäh- und Pflegekonzepten. Entscheidend ist dabei nicht nur, was angelegt wird, sondern auch, wie die Flächen langfristig unterhalten werden.


Maßnahmen auch im Siedlungsbereich möglich

Biodiversität beginnt nicht erst außerhalb der Ortslagen. Vor allem in bebauten Bereichen helfen Trittsteinbiotope wie Grünflächen, Blühwiesen, Straßenränder, vertikale Begrünung und begrünte Dächer die Landschaft zu vernetzen und durchgängiger zu machen. Solche kleinen Inseln bieten Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für Insekten und Vögel und können zugleich zur Abmilderung von extremen Wetterereignissen, wie Hitzeinseln im Sommer, beitragen.


Biodiversität braucht langfristige Pflege

Ein Handbuch allein schafft noch keine artenreicheren Flächen. Entscheidend ist eine erfolgreiche Umsetzung. Deshalb wurden auch die Mitarbeitenden des gemeindlichen Bauhofs in die Planung mit einbezogen. Die empfohlenen Maßnahmen sollen nun Schritt für Schritt in die laufende Pflege integriert werden. Erste Maßnahmen befinden sich bereits in der Umsetzung, weitere werden folgen.


Erste Maßnahme in der Umsetzung: Mosaikmahd am Regenrückhaltebecken am Bauhof Rellingen (Foto: ALSE GmbH)


Ein Vorbild für andere Kommunen

Die Gemeinde Rellingen soll zeigen, wie aus einem theoretischen Konzept mit konkreten Handlungsempfehlungen eine praxisnahe und dauerhaft umsetzbare Strategie entstehen kann. Auch wenn sich nicht jede Maßnahme eins zu eins auf andere Gemeinden übertragen lässt, sind viele Ansätze grundsätzlich übertragbar. Sie können Kommunen dazu anregen, die eigenen Flächen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und ein individuelles Biodiversitätskonzept für die eigene Gemeinde zu entwickeln.


Auch Bürgermeister Marc Trampe sieht im Biodiversitäts-Handbuch eine Grundlage für die Weiterentwicklung des Naturschutzes in Rellingen: „Mit dem Handbuch Biodiversität schaffen wir eine fundierte Grundlage, um den Naturschutz in unserer Gemeinde dauerhaft weiterzuentwickeln. Gleichzeitig möchten wir unsere Erfahrungen mit anderen Kommunen teilen und zeigen, dass Biodiversität und kommunale Unterhaltung Hand in Hand gehen können.“


Fazit

Biodiversität beginnt nicht erst in großen Schutzgebieten. Sie entsteht überall dort, wo man ihr Platz einräumt. Das Biodiversitäts-Handbuch der Gemeinde Rellingen soll deshalb nicht nur der Kommune als Arbeitsgrundlage dienen. Es kann auch andere Flächeneigentümerinnen und -eigentümer sowie Privatpersonen dazu anregen, die ökologischen Potenziale ihrer eigenen Flächen zu erkennen und mit kleinen, gezielten Maßnahmen aufzuwerten.


Rellingen macht vor, wie dieser Weg aussehen kann: genau hinschauen, Potenziale erkennen, Maßnahmen konkret formulieren und gemeinsam umsetzen. So wird aus einer kommunalen Fläche ein wertvoller Lebensraum – und aus einzelnen Maßnahmen ein dauerhaftes Konzept für mehr Artenvielfalt.

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